Dortmund Migrantenorganisationen diskutieren mit LandtagskandidatInnen

Politischer Schlagabtausch im Haus der Vielfalt

Der große Saal des Hauses der Vielfalt war am Freitag, den 05.05. prall gefüllt. Der Verbund der sozialkulturellen Migrantenorganisationen in Dortmund (VMDO) hatte zur Podiumsdiskussion eingeladen, und seine Mitglieder aus 47 Dortmunder Vereinen strömten in das Verbandshaus. Gegen 18.30 hatten sich 100 Menschen aus über zehn Nationen versammelt. Sie wollten mit fünf Kandidatinnen und Kandidaten für den NRW-Landtag über das heute und morgen von Nordrhein-Westfalen aus Sicht der Dortmunder Migrantenselbstorganisationen (MSO) diskutieren.

„Diese Diskussion ist ein großer Erfolg. Sie zeigt, dass wir Migrantinnen und Migranten das politische Geschehen aufmerksam verfolgen und unsere Vereine eine fachlich differenzierte Meinung zu vielen aktuellen gesellschaftlichen Fragen haben!“, erklärte Kumar Kumarasamy, Vorstandsvorsitzender des VMDO.

Der Einladung waren Kandidatinnen und Kandidaten der SPD (Volkan Baran), der Grünen (Ulrich Langhorst), der Piratenpartei (David Grade), der FDP (Frieder Löhrer) und der Linken (Iris Bernert-Leushacke) gefolgt. Zum Bedauern der OrganisatorInnen hatte die CDU ihre Teilnahme kurzfristig abgesagt. „Enttäuschung“ äußerte darüber auch SPD-Ratsfraktionsvize Volkan Baran, der sich auf die Auseinandersetzung gefreut hatte.

So fehlte ein „harter“ konservativer Sparringpartner für die PolitikerInnen, die alle dem Parteienspektrum zwischen links und liberal zuzuordnen waren. Dennoch entstand eine lebhafte Diskussion. Spätestens, als Moderator Dr. Aladin El-Mafaalani die Runde für Fragen aus dem Publikum öffnete. Die Teilnehmenden, viele aus Afrika, Asien, Deutschland, Süd, und Osteuropa sowie dem Kaukasus stammend, hatten Fragen. Vor allem beschäftigte sie Bildungspolitik, politische Teilhabe sowie Integrationsangebote: Ist Wahlrecht nur für deutsche Staatsbürger aus Sicht der Parteien fair? Wie stehen die Parteien zur Praxis von Integrationskursen nur für bestimmten Migrantengruppen? Wieso wird Bilingualität in vielen Bildungseinrichtungen immer noch skeptisch beäugt? Sind Bürgerkriegsländer wie Afghanistan nach Meinung der KandidatInnen sicher?

Die fünf KommunalpolitikerInnen erklärten, argumentierten – und mussten sich ein um das andere Mal mit der Aussage helfen, dies sei zwar Parteiposition, aber nicht ihre persönliche Meinung. „Wir sind ein Verband mit vielen Menschen, Nationen und Meinungen. Unsere Mitglieder sind nicht nur politisch interessiert. Sie wollen auch Antworten auf die für sie wichtigen Fragen!“ betonten Dr. Omar Al-Ghawi, und Vedat Akkaya, stellvertretende Vorsitzender des VMDO. Für viele Positionen sei noch ein weiter Weg zu gehen. „Aber die 100 Menschen heute in unserem Haus der Vielfalt zeigen, dass sie für Ihre Interessen und Rechte eintreten – und ihre Stimme am 14. Mai sorgsam vergeben werden!“